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Streber???

Nov 10, 2019 | Riekes Weg

Manchmal werde ich, wenn auch im scherzhaften Kontext, „Streber“ genannt, wenn ich meinen Tag vor der Arbeit beispielsweise mit einer Stunde Laufen beginne, im Training versuche, bestmöglich durchzuziehen, Pausen aktiv zu gestalten etc., in Gesellschaft eventuell etwas anderes esse, als andere, usw.

Auch den Satz „das muss ja ganz schön anstrengend und einsam sein, wenn man so ehrgeizig ist“ habe ich schon gehört. Der Umfang meiner Laufkilometer wird liebevoll kommentiert mit „Du bist doch krank“ oder „das ist pervers“ oder auch der allseits gern genommene Klassiker „wovor läufst Du eigentlich weg?“ Ob ich Angst hätte, mich mit mir selbst auseinander zu setzen und deshalb so viel Sport mache. Ich kann euch eins ganz sicher sagen, nirgendwo setze ich mich mehr mit mir selbst auseinander, als beim Sport. Eben weil man körperliche Grenzen auch nicht einfach wegdiskutieren kann.

Es wird kritisiert, wenn man an einer Kuchenschlacht nicht teilnimmt, im Sinne von „meinst Du wirklich, dass es darauf ankommt“ (JA VERDAMMT, manchmal kommt es darauf an!!) „der Mensch braucht auch Zucker“ (haha ja mein Schweinehund braucht den manchmal auch, aber tatsächlich NOTWENDIG zum Überleben? Nunja…) oder aber auch, wenn ich abends bei Zeiten ins Bett gehe, um am nächsten Morgen um 6 Uhr zwei Stunden laufen zu gehen „wer zwingt Dich eigentlich dazu?“

Ich weiß, dass das meiste wohl nicht böse gemeint ist, aber was genau steckt dahinter? Wollen diejenigen gerne davon ablenken, dass sie selbst sich vielleicht nicht zu 100 % anstrengen? Ist es wirklich so negativ, ehrgeizig zu sein? Ist Disziplin und Willensstärke eigentlich nur eine Form von messbarer Arroganz? Sind wir mal ehrlich, wer verbindet mit dem Wort „Streber“ schon etwas Positives? Ich bisher ehrlicherweise nicht…

Ich habe eine extrem unsportliche und faule (und ungesunde) Vergangenheit. Mein Leben lang begleiten mich Übergewicht und Unbeweglichkeit. Natürlich war der Wunsch nach Veränderung immer irgendwo vorhanden, aber am liebsten natürlich, ohne etwas dafür zu tun! Das ist ja anstrengend! Verantwortung übernehmen? Nein Danke! Das hätte ja Arbeit bedeutet. Und nur, weil ich inzwischen einigermaßen „viel“ dafür mache, ein gesundes Gewicht zu erreichen und fitter zu werden, heißt das nicht, dass es heute weniger Arbeit bedeutet. Aber das alles war jetzt ein seeeehr langer und langsamer Prozess. Wir reden hier ja nicht von einer dieser Wahnsinns-Storys „Minus 60 kg in 6 Monaten“, die man gefühlt ständig liest und die mich an schlechten Tagen auch echt frustrieren und mir das Gefühl geben, es selbst verkackt zu haben. Realistisch betrachtet ist seit meinem letzten Entschluss, endlich etwas zu verändern, eine ganz schön lange Zeit vergangen. Bei Fit mit Thorge angefangen habe ich im Januar 2016, meine Ernährung habe ich ein paar Wochen davor bereits umgestellt. Das macht also irgendwas um die 4 Jahre. Ganz schön lange. Und es hört ja auch nicht einfach auf, im Gegenteil. Wirklich zum ersten Mal in meinem Leben bleibe ich bei dem Thema mehr oder weniger kontinuierlich dran.

Das verläuft ja leider nicht linear und konstant im gleichen Tempo. Wer das hier schon länger verfolgt, weiß, dass es unfassbar zähe Phasen gab und um auch zwischendurch mal Zahlen und Fakten auf den Tisch zu legen: Allein die letzten 10 Kg Abnahme haben fast 2 (JA ZWEI!!) Jahre gedauert. Ganz oft neige ich dazu, diese 2 Jahre als „verschenkte Zeit“ zu sehen oder mit mir zu hadern, warum ich es nicht schneller auf die Kette gekriegt habe. Oft haben mich der Drang nach Perfektion und meine Selbstzweifel richtig fertig gemacht, und ja mit ziemlicher Sicherheit habe ich an mancher Stelle auch „übertrieben“? Aber wer nimmt sich das Recht, das zu beurteilen und zu bewerten? Ja ich habe monatelang nichts abgenommen, das mag für den ein oder anderen wirklich nicht sonderlich grandios klingen, aber der für mich größte Erfolg daran war allerdings eher, dass ich nicht wieder zugenommen habe, sondern „einfach“ weiter gemacht habe, beim Sport dran geblieben und zwei mal einen Halbmarathon gelaufen bin. „Einfach“ war das natürlich nicht, aber hatte ich eine Wahl?

Das Schöne ist eigentlich, je länger ich diesen ganzen Kram mache mit dem Sport, der gesunden Ernährung usw., umso normaler wird es für mich selbst und natürlich auch für mein enges Umfeld. Welches sich tatsächlich nach und nach verändert. Manche Menschen treten in den Hintergrund, neue, wertvolle Freundschaften entstehen. Ich muss wohl einfach noch lernen, mich von den Menschen zu distanzieren, die mir nicht gut tun. Das Highlight der letzten Zeit war ein Kommentar, als ich mir im Oktober beim Laufen den Fuß verknackst habe „na ja, wenn man so unsportlich ist, kann das schnell passieren!“ What the fuck??? Natürlich weiß ich realistisch betrachtet, dass es einfach der größte Scheiss überhaupt ist. 1. Bin ich zwar immer noch dick, aber deshalb nicht gleich völlig unsportlich bzw. nicht mehr! 2. Wie frech ist es eigentlich, so etwas zu jemandem zu sagen, der sich BEIM SPORT verletzt hat?!?! Egal wie dick oder dünn, wie sportlich oder unsportlich?!  Also klar, auf dem Sofa holst Du Dir eher keine Verletzungen… Und trotzdem trifft es mich. Eben weil mich dieses ganze Thema Übergewicht, Unsportlichkeit etc. immer noch extrem angreifbar macht!

Ich mache das alles tatsächlich für MICH selbst und garantiert nicht, damit irgendwer applaudiert, wirklich nicht. Im Gegenteil. Sagt jemand etwas Positives dazu, kann ich das auch ganz schwer aushalten, weil es sich für mich falsch anfühlt, Lob für etwas zu kassieren, was notwendig war, weil ich eben davor 20 Jahre lang undiszipliniert und faul war.

Aber ich möchte mich auch nicht dafür rechtfertigen müssen, warum ich es jetzt eben mit höchst möglichem Einsatz verfolge. Ich bin definitiv NICHT 365 Tage im Jahr diszipliniert und das muss auch gar nicht so sein. Aber wenn Kopf und Körper gut mitspielen, will ich 100 % geben. Und das wird durch so sinnlose Diskussionen, ob man jetzt WIRKLICH auf dieses oder jenes verzichten muss oder WIRKLICH noch zum Sport gehen will, definitiv nicht vereinfacht. Da lobe ich mir die Menschen in meinem Umfeld, die es einfach nicht weiter thematisieren, die meine Anwesenheit mögen, unabhängig von meinem Speise- oder Trainingsplan!! Und unter uns… vorletzte Woche habe ich eine Zahl von 45 Kg Abnahme geknackt. Ich glaube, bei diesen Dimensionen muss man glaube ich auch einfach ein bisschen „Streber“ sein, wenn man nicht wieder, wie hunderte Male zuvor, nach 5 kg Abnahme ganze 10 wieder draufpacken will!!!

Riekes Weg

Rieke hat vor knapp 5 Jahren mit dem Training und ihrer Ernährungsumstellung bei uns begonnen. Es hat sie viel Mut gekostet, sich überhaupt erstmal bei uns zu melden. Warum es sich gelohnt hat, kannst Du in ihren regelmäßigen Berichten lesen. Vielleicht lässt Du Dich ja dadurch inspirieren, eine wichtige Veränderung in Deinem Leben einzuleiten. Unterstützen werden wir Dich stets mit voller Kraft und Leidenschaft! 🙂

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