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Riekes Weg

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Erfolgsgeschichten

Riekes Weg

Vorurteile

Als ich angefangen habe abzunehmen und Sport zu machen, waren die Hauptziele, ein „paar“ Kilo loszuwerden, um mich im Alltag etwas besser bewegen zu können, meinen Kindern besser hinterher zu kommen, passende Klamotten kaufen zu können, mich wohler zu fühlen, irgendwann vielleicht sogar einigermaßen sportlich zu werden… also quasi DIE Ziele, die wahrscheinlich jeder Dicke verfolgt… Aber ehrlicherweise stand/steht auf meiner persönlichen Liste auch noch „nicht mehr (negativ) auffallen“.  Um eins vorweg zu nehmen, NATÜRLICH mache ich das für mich selbst, für MEINE Gesundheit, MEIN Wohlbefinden, usw. aber wir wissen auch alle, wie oberflächlich wir doch manchmal ALLE sind. Wer kann sich schon davon freisprechen, noch nie einen anderen Menschen nach Äußerlichkeiten beurteilt zu haben? Also ich nicht! Und umgekehrt weiß ich natürlich ganz genau, wie man als extrem dicker Mensch teilweise so angeguckt, be- und verurteilt wird :-)

Wenn man so viele Jahre übergewichtig war bzw. ist, ist das allerdings gewissermaßen „Normalzustand“. Das macht es nicht angenehmer, aber man lebt damit halt. Man lacht über vieles, vielleicht sogar lauter als andere, soll ja nicht auffallen, dass man das, was andere sagen (oder sichtbar denken) selbst tagtäglich in seinem Gehirn durchkaut. Man sieht das Elend zwar jeden Tag im Spiegel, aber nunja… bis ICH den A*** hochbekommen habe, etwas zu verändern, hat es ja lange genug gedauert.

Leute, die mich von früher kennen, sehen natürlich, was ich schon geschafft habe und kennen mich in der Regel die meiste Zeit meines Lebens unfassbar dick – für die ist der aktuelle Zustand also doch noch eher „ungewöhnlich“ und „voll toll“ und da bekomme ich häufiger mal zu hören, ich solle auf das gucken, was ich bereits hinter mir gelassen habe, nicht auf das, was noch vor mir liegt. Leute die mich heute kennenlernen denken vielleicht „boah die könnte aber mal ein bisschen abspecken“ ;-)  Das ist mir inzwischen einigermaßen egal, ich weiß ja, was Sache ist. Was mich allerdings viel mehr nervt, ist die Tatsache, dass solche „neue Bekanntschaften“ regelrecht ENTSETZT sind, wenn sie mitbekommen, dass ich regelmäßig Sport mache und dann auch noch laufe. „Was DU läufst?“ „DU machst Sport?“ -  Äh ja sieht man nicht, mach ich trotzdem! Sage es aber nicht unbedingt laut. Ich könnte ja auffallen. Gesprächsthema sein. Will ich das? NEIN! Auf gar keinen Fall! Ich habe gar keine Lust auf irgendwelche Diskussionen mit Leuten, die nur aufgrund des Ist-Zustands glauben, sich ein Urteil erlauben zu können. Das könnte mir alles total wurscht sein, ist es aber nicht. Vielleicht meinen sie ihre Bemerkungen nicht so, wie sie bei mir ankommen, vielleicht bin ich da einfach überempfindlich, weil sich viele Jahre einfach immer sehr viel auf mein Gewicht bezogen hat. Allerdings immer negativ. Positive Resonanz kann ich aber im Übrigen auch ganz schlecht haben. Komplimente? Nein danke!! Negative Äußerungen sauge ich auf wie ein Schwamm, positive MÜSSEN ja quasi Verarsche sein ;-) Das ist sicher auch etwas für meine persönliche Liste in Sachen Kopfarbeit ;-)

Aber ich weiß nie, ob ich lachen oder heulen soll, wenn mir irgendwelche oft nur mäßig sportlichen Menschen erzählen, wie ungesund es doch sei, mit meinem Gewicht zu laufen und dann auch noch mehrmals die Woche. „Also ICH hab ja gehört, joggen ist GAAAAANZ schlimm bei Übergewicht“, „Geh doch schwimmen oder walken, das ist viel besser für die Gelenke!!“ Also ich bin ja auch nicht ganz blöd und mir ist durchaus bewusst, dass meine Figur nicht dem klassischen Läuferbild entspricht und vielleicht auch nie entsprechen wird – aber ist nicht der Sport am gesündesten, den ich mit Spaß möglichst regelmäßig und noch viele Jahre ausführen kann??? Ja ich hatte Knieprobleme und VIELLEICHT wäre das Problem nie aufgetaucht, wenn ich 30 Kg weniger wiegen würde. Ich kenne allerdings Läuferinnen und Läufer in sämtlichen Gewichtsklassen und Verletzungen tauchen überall auf, oder eben auch nicht! Das höhere Gewicht ist also vermutlich KEIN Garant für Verletzungen, genauso wie Idealgewicht keine Garantie für Verletzungsfreiheit darstellt.

Was also bewegt Menschen, die einem meistens nicht mal besonders nahe stehen, beurteilen zu wollen, was für MICH am Besten ist? Ist und bleibt man einfach dick, haben die Leute was zu lästern, tut man was dagegen, gibt es immer jemanden, der es besser weiß, dass entweder deine Ernährungsform ja gaaaaaaaaanz schrecklich ist oder eben der Sport üüüüüberhaupt nicht gut für Dich usw. Ach so und wie genau soll aus einem ehemals sehr sehr dicken Menschen dann irgendwann mal ein normalgewichtiger sportlicher Mensch werden?! In dem man erst dann anfängt, Sport zu treiben, wenn man Gewicht xy erreicht hat?

Wenn man nichts Sinnvolles zu sagen hat, einfach mal die Klappe halten! :-) In diesem Sinne, gehe ich jetzt mal laufen. Ohne mich zu verstecken.