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Riekes Weg

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Erfolgsgeschichten

Riekes Weg

Mein 1. Halbmarathon

Oder auch… „die Hitzeschlacht von Duisburg“!!!

Die Wettervorhersagen der letzten Tage machten mir echt große Angst. 30 Grad und mehr waren ausgerechnet für den 2. Juni angesagt!

Letztendlich war ich gestern Morgen dann aber doch erstaunlich ruhig. Ändern konnte man es eh nicht. Ich habe viel trainiert, auf das Wetter hat man nun wirklich keinen Einfluss. Ich hatte von Anfang an gesagt, ankommen vor dem Besenwagen sei mein Ziel. Nachdem die 18 Km im Training mit einer doch sehr guten Zeit verhältnismäßig locker funktioniert haben, hatte ich tatsächlich mit „unter 02:30 h“ geliebäugelt. Aber es war dann gestern früh klar: bei 32 Grad hat gesund ankommen einfach oberste Priorität. Nach Gefühl loslaufen, genug trinken, jede Dusche mitnehmen, auf den Körper hören!

Im Startblock einsortiert haben mein Chef und ich uns dann zwischen den 02:15 und 02:30 Läufern, frei nach dem Motto, „langsam werden wir sowieso irgendwann“. Wir sind dann letztendlich doch ziemlich flott losgelaufen und ich hab ihm schon nach 2 Kilometern gesagt, er soll besser alleine weiter rennen, das Tempo werde ich definitiv keine 21 Kilometer durchhalten ;-) Er blieb dann aber noch bis Kilometer 5 in meiner Nähe, ab da hab ich für mich einfach deutlich Tempo rausgenommen und er ist weiter gelaufen (was völlig ok so war und auch vorher abgesprochen). Es fühlte sich zwar noch alles locker und leicht an, aber ich verfüge beim Laufen doch inzwischen über eine gesunde Selbsteinschätzung und es war einfach klar, eine Pace von 06:30/Km halte ich keine weiteren 16 Kilometer so locker flockig durch. Und auch bereits auf dem ersten Drittel der Strecke saßen/lagen Läufer am Rand, die aufhören mussten, das wollte ich auf keinen Fall nachmachen. Ich bin ja ohnehin mit Trinkrucksack gelaufen, und trotzdem habe ich unterwegs jede Wasserstation mitgenommen, wenn auch überwiegend, um mir das Wasser über irgendwelche glühenden Körperteile zu kippen ;-) Auf der zweiten Hälfte hatten auch unheimlich viele nette Anwohner ihre Gartenschläuche zur Verfügung gestellt, Duschen aufgebaut, Eimerweise Wasser hingestellt, total toll und ich glaube, das hat uns alle echt gerettet!

Und trotzdem will ich das hier auch nicht nur schön reden, die zweite Hälfte war wirklich sauhart. Oft kilometerlang kein einziges Fleckchen Schatten (zumindest gefühlt, irgendwie kann ich mich an ganz vieles gar nicht mehr erinnern, ich verwaltete ja Mietshäuser in Duisburg und sag hinterher zu meinem Chef „an zweien sind wir vorbei gelaufen“ und er sagt „na ja fast, es waren neun!!“ ;-) ähm ja....

Zwischen Kilometer 10 und 13 war es für mich am Schlimmsten, ich weiß noch, dass ich da unheimlich oft auf die Uhr geguckt habe, und es irgendwie gar nicht vorwärts ging. Und ja auch bei aller Vernunft natürlich auch der Blick auf die Zeit, die da schon deutlich langsamer wurde. Ich glaube, bis KM 15 oder 16 war ich tatsächlich noch auf Kurs „unter 2,5 Std.“ konnte die dafür nötige Zeit aber einfach auch nicht mehr halten. Als der Pacer für 2,5 Std. mich überholt hat, habe ich kurz gerechnet, dass ich theoretisch auch bis ins Ziel gehen könnte und trotzdem vor dem Besenwagen ankommen würde. (wie beknackt, über was man so nachdenkt ;-)) Ich bin aber, wenn man von den Wasserstationen absieht, eigentlich relativ gleichmäßig durchgelaufen, zum Ende hin halt einfach langsamer. Auf den letzten Kilometern waren um mich herum doch so einige, denen es genauso erging wie mir, und doch hat man sich gegenseitig immer noch etwas gepusht „komm, nur noch 5, die schaffen wir alle irgendwie“ usw. Wildfremde Menschen am Straßenrand, die einem zujubeln und motivieren, nicht aufzugeben, das war schon echt irgendwie besonders. Ich war so unglaublich erleichtert, als ich das 20 Kilometer Schild gesehen habe, weil da einfach klar wurde, „jetzt ist es ECHT nicht mehr weit“ und da fiel es mir auf einmal wie Schuppen von den Augen, dass ich während der vergangenen 20 Kilometer nicht ein einziges Mal in Erwägung gezogen habe, aufzuhören. Und DAS ist für mich persönlich einfach der größte Erfolg. Ich habe weiter gemacht, auch wenn es zwischendurch echt ekelhaft war, ich habe es tatsächlich geschafft, 2,5 Std. lang auszublenden, dass ich ja eigentlich gar nicht zum Laufen gemacht bin und andere das ja viel besser können, ich habe einfach mal NICHT in Frage gestellt, ob ich das schaffen kann und zu guter Letzt bin ich einigermaßen aufrecht ins Stadion gelaufen (und war kurz schockiert, als ich gesehen habe, dass man bis zum eigentlich Ziel noch eine Dreiviertelrunde drehen musste ;-)) wo mich liebe Menschen aus Leibeskräften ins Ziel gebrüllt haben (DANKE DAFÜR!), wo dann für mich die Uhr nach 02:33:36 stehen blieb. Ich bin tatsächlich null enttäuscht darüber, dass es nicht für unter 02.30 gereicht hat, und das, obwohl ich ein echter Zahlenfreak bin. Ich rede irgendwelche Leistungen (also eigentlich nur meine eigenen) gerne klein, schenke ihnen keine Aufmerksamkeit und erwähne viel lieber, was andere besser können. Ja andere können schneller laufen. Weiter laufen. Sehen dabei nicht wie ein angeschossenes Walross aus… Aber hätte mir jemand vor 2 Jahren gesagt, dass ICH mal einen Halbmarathon laufe, wäre ich höchstens lachend zusammen gebrochen. Ich bin also heute einfach nur froh und dankbar, dass Thorge mir diesen Floh vor 1,5 Jahren ins Ohr gesetzt hat. Ich habe mich damals unfassbar verarscht gefühlt und dachte ernsthaft, er will sich über mich lustig machen. Ich hab es schon bei Facebook geschrieben und kann mich nur wiederholen: Alleine hätte ich mich niemals getraut, auch nur darüber nachzudenken, geschweige denn es wirklich zu machen. Und heute am Tag danach? Denke ich tatsächlich drüber nach, wo ich gerne den nächsten Halbmarathon laufen möchte! Mir geht es körperlich viel besser, als ich vorher erwartet hätte. Und in meinem Kopf spuken ein bisschen die 2,5 Std. rum, die ich trotzdem gerne knacken möchte. Meine Vorbereitung der letzten 5 Monate beinhaltete viele Laufkilometer, aber insgesamt alles doch eher auf „Hauptsache Ankommen“ und viel „Laufen nach Gefühl“ ausgerichtet. Das war definitiv für mich an der Stelle genau das Richtige, zeigt mir aber auch, das mit einem konkreten Plan und noch mal ein paar Kilo weniger Gewicht noch viel Luft nach oben ist! Mein Fazit von diesem ganzen Spaß ist eigentlich nur eins: traut euch, große Dinge zu wollen, auch wenn sie im ersten Moment völlig verrückt klingen und sooo weit weg erscheinen! Es geht wahrscheinlich auch gar nicht so sehr darum, wie dann wirklich das Ergebnis an Tag X ist. Sind wir mal realistisch, bei 32 Grad war die Chance, nach 10 aufzuhören, relativ groß. Der Lauf gestern erfüllt mich natürlich auch mit Stolz und hat mich noch mal ordentlich gepusht, weil einfach so viel mehr möglich ist, als ich selbst je geglaubt habe. Es war quasi das i-Tüpfelchen für viele Monate Training. Für mich persönlich hieß dieses große Ziel aber eben auch, kontinuierlich immer wieder dran zu arbeiten, mit dem festen Vorsatz, wenigstens einmal diese 21,1 Kilometer laufen zu können. Ich wäre garantiert an ganz vielen Tagen auf dem Sofa liegen geblieben, statt bei Wind und Wetter zu laufen. Natürlich ist das MAL völlig ok. Aber so viel geiler ist es, dafür immer und immer wieder zu arbeiten und am Ende sein Ziel erreicht zu haben!