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Erfolgsgeschichten

Riekes Weg

#laufenmachtglücklich

In den sozialen Medien wird unfassbar oft der Hashtag #laufenmachtglücklich verwendet. Auch von mir. Ist das wirklich so? Ist das nur eine Phrase? Redet man sich das selbst schön? Macht es glücklich, sich unter Umständen 2 Std. am Stück völlig zu verausgaben, danach wie ein überfahrener Frosch auf dem Sofa zu liegen und zu atmen? Eventuell ziept und zwackt am nächsten Tag irgendwas, mal tun die Füße weh, mal die Beine, manchmal einfach alles? Was ist da die Definition von glücklich? Warum habe ich mir gerade die Lauferei ausgesucht? Garantiert nicht, weil ich am Anfang daran geglaubt habe, dass es in irgendeiner Form zu meinem persönlichen Glück beitragen könnte!

Früher, also bevor ich selbst damit anfing, war Laufen für mich DAS Indiz für Sportlichkeit. Und genauso unmöglich erschien es mir, dass ICH mal „dazu gehören“ könnte. Mit 125 kg war das ehrlicherweise aber auch nicht sonderlich wahrscheinlich, dass ich mal laufen würde ;-) Ich habe mir die Lauferei ganz lange selbst nicht zugetraut, auch nicht, als die ersten Laufschuhe gekauft und die ersten Kilometer gemacht waren. Nicht gerade ideale Voraussetzungen… aber mal ehrlich, ich war ungefähr der unsportlichste Mensch auf diesem Planeten und das ist wirklich nicht übertrieben. Heute fühle ich mich auch manchmal noch so, aber ganz so schlecht wird das wohl alles nicht sein, wenn ich auf die letzten Monate zurück blicke.

Um die Ausgangsfrage zu beantworten: Nein, nicht jeder Lauf macht mich glücklich und zufrieden. Es gibt sogar einige, nach denen ich richtig unzufrieden bin, weil es vielleicht nicht so lief wie geplant oder aber einfach an manchen Stellen weh tat, körperlich oder im Kopf!

Diese Stunden, die ich jede Woche damit verbringe, draußen durch die Gegend zu rennen, sind einerseits natürlich meine persönliche Freizeit. In der Zeit können mir Job, Familie, Haushalt und und und total egal sein, die Kinder sind in guten Händen, das Handy nur zum Musik hören dabei und in der Zeit erwartet niemand anderes etwas. Höchstens ich selbst in Form von irgendwelchen Leistungen. Oft ist einfach alles super, alles passt, ich bin zufrieden und #laufenmachtglücklich trifft total zu. Läuft es nicht so, fange ich schon während dessen an, zu analysieren, woran es hakt, was mache ich anders als beim letzten Mal, stimmt meine Ernährung grade, bla bla tralala. Nein ich laufe nicht NUR zum Spaß. Das ist meine Eigentherapie. Ich bin gezwungen mich aufzuraffen, loszulaufen, durchzuhalten, mit mir auseinander zu setzen. Immer und immer wieder. Und ja natürlich verbrennt laufen auch Kalorien. Heißt ich kann entweder mehr essen, oder langfristig gesehen natürlich auch ein bisschen abnehmen. (Der Aspekt wird allerdings vermutlich häufig überschätzt, ich kann euch sagen, für so ne Tafel Schokolade muss man rein rechnerisch ganz schön lange rennen! ;-)) 

Und wenn es dann mal nicht so läuft, wie zum Beispiel beim Halbmarathon in Köln, kann man von glücklich im ersten Moment mal so gar nicht sprechen. Ich weiß auch selbst, dass ich mir da total im Weg stehe, und es hat tatsächlich einige Tage gedauert, bis ich meinen Frieden mit diesem Lauf gemacht habe. Realistisch und mit etwas Abstand betrachtet wirklich beknackt, ich bin gesund ins Ziel gekommen, obwohl die Voraussetzungen nicht die Besten waren. Ja ich habe 5 dämliche Minuten länger gebraucht, als ich ursprünglich wollte. Letztlich macht es die Leistung „21 km Laufen“ nicht kleiner, und doch habe ich tagelang mit mir gehadert und wenn mich jemand drauf ansprach, quasi unvermittelt losgeheult (und habe damit große Verwirrung ausgelöst ;-)) Nach ein paar Tagen war es aber auch wieder gut und ich habe mich nur noch darüber geärgert, die Stimmung an der Strecke nicht einfach mehr genossen zu haben. Als klar war, ich werde meine Zeit nicht schaffen (so bei KM 14 ungefähr war es für mich absehbar), hätte ich einfach langsam machen und mich freuen können, dass ich trotzdem laufen kann. Habe ich aber nicht. Ich hab mich gequält, geheult und es ging einfach nur noch einzig und alleine ums Durchhalten. Ich wollte mir selbst beweisen, dass ich in der Lage bin, das zu wiederholen. Das ist mir ja auch gelungen.  Aber das von mir selbst hier letztens noch so angepriesene „geile Gefühl danach“ blieb einfach aus. Keine euphorischen Glücksgefühle. Kein „geil, ich habs geschafft“, sondern immer wieder dieser dämliche Gedanke „ich habs verkackt!“ Ja und auch das gehört wahrscheinlich dazu. Auch wenn ich weiß, dass es eigentlich egal ist, aber ein Ziel nicht zu erreichen, löst einfach Frust aus und das ist vermutlich ok, solange man sich irgendwann wieder einkriegt. Was nach dem Halbmarathon jedoch total positiv war und mich dann wenigstens im Nachhinein richtig glücklich gemacht hat: Ich hatte körperlich quasi NULL Beschwerden. Absolut keinen Muskelkater, Knie, Füße, Hüfte, alles super! Ich bin 2 Tage danach schon wieder gelaufen und wenn ich letzte Woche nicht beim Waldlauf erst umgeknickt und danach eine Runde Erdkunde gemacht hätte, wäre mein Pensum wohl auch nicht kleiner geworden, weil mein Körper das echt richtig gut verkraftet hat und DAS ist bei allem Gejaule über Zeitziele und nicht geknackte 2,5 Stunden eigentlich der wahre Erfolg und die Belohnung für viele viele Trainingskilometer und viele Stunden alternatives Training! So muss ich jetzt allerdings erstmal ein paar Tage abwarten, bis Fußgelenk und Knie sich wieder erholen. Üble Geschichte, weil ich mich unbedingt bewegen will. Und es ist so lustig, dass sich meine letzte Woche mit „nur“ einem Lauf und drei Trainings bei Fit mit Thorge nach „ich habe soooo wenig gemacht“ anfühlt. Als ich in meinen Anfängen dort 2016 mitbekommen habe, dass es Menschen gibt, die 3-5 mal die Woche Sport machen, war ich selbst noch völlig entsetzt, wie man das denn hinkriegt… und jetzt?? Nach 6 Tagen ohne Laufen werde ich wirklich langsam meschugge! Also ja… unterm Strich macht es mich doch einfach happy :-) Und oft haben so Zwangspausen ja auch irgendetwas Gutes und man hat danach wenigstens doppelt so viel Energie für den nächsten „glücklichen“ Lauf!