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Erfolgsgeschichten

Riekes Weg

Intuition Teil II

Leider musste ich das Ganze in zwei Teile teilen, nicht um die Spannung zu erhöhen, sondern weil ich sonst jeglichen Rahmen gesprengt hätte ;-)

Und so war es ein ständiger Teufelskreis zwischen „Hilfe, ich nehme alles wieder zu“, „ich will doch noch abnehmen“, „ich habe Angst, mich nicht mehr selbst zu kontrollieren“ und aber auch der Einsicht „so, wie es jetzt gerade läuft, möchte ich nicht die nächsten Jahre verbringen, außerdem habe ich mit diesem Weg die letzten Monate zwar gelebt, aber auch nichts nennenswertes abgenommen, im Gegenteil“ :-) Ich weiß, dass es zu diesem Thema viele viele Meinungen gibt, eine ziemlich verbreitete ist, dass es einzig und allein ein Kaloriendefizit braucht zum Abnehmen. Davon bin ich auch sehr lange ausgegangen, genau DAS hat bei mir ja auch eine lange Zeit wunderbar funktioniert! Aber eben auch fast genauso lange dann nicht mehr, auch wenn ich rein rechnerisch sicher monatelang im Dauerdefizit war!

Im Übrigen muss ich sagen, je verkrampfter ich versuchte, meine täglichen Kalorien noch weiter als eh schon zu reduzieren, umso größer wurde der tägliche Frust beim Gang auf die Waage. Ja täglich. Zum Glück habe ich das inzwischen hinter mir, denn wenn ich inzwischen eins weiß, mein Gewicht schwankt, wie wahrscheinlich bei den meisten Menschen, von Tag zu Tag so extrem, nicht selten sind da Differenzen von bis zu 2,5 Kilo möglich, egal wie wenig ich am Vortag gegessen habe. Aber diese Zahlen haben mich einfach mindestens so wahnsinnig gemacht, genau wie das Vorhaben, meine Kalorienzahl möglichst von Tag zu Tag zu unterbieten.

Ernährung war Mittel zum Zweck. Einfach mal das essen, worauf man Bock hat, sah mein eigener Plan da irgendwie nicht vor. (Und mit Essen, worauf man Bock hat, meine ich jetzt nicht zwangsläufig die Tüte Chips oder die Tafel Schokolade!) Essen war sehr häufig mit schlechtem Gewissen verbunden und totalem Frust. Davon, auf meinen Körper zu hören, was der jetzt gerade braucht und vor allem in welchen Mengen, war ich kilometerweit entfernt. Wenn ich etwas zubereitet und in diese verdammte App eingetragen habe, habe ich das aufgegessen, denn wie hätte ich jetzt 5 Löffel liegen lassen und 23,89 % aus der App herausrechnen sollen? Umgekehrt, wenn ich einen Tag mit 15 Kilometer laufen begonnen hatte und ich an dem Tag vielleicht einfach mal mehr Hunger hatte, wurde das ignoriert, weil das Kalorien-Budget das ja schließlich nicht hergab. Was war die Folge neben Hunger? FRUST!!! Es hat mich so runtergezogen, dass ich gefühlt ALLES probiert habe, viele Einschränkungen in Kauf genommen habe und sich trotzdem nichts getan hat. Wie heißt es so schön, „auf Veränderungen zu warten, ohne etwas dafür zu tun, ist wie an der Bushaltestelle auf ein Schiff zu warten“ – ja nur ein doofer Spruch. Und doch so viel Wahres dran. Irgendwann musste sogar ich einsehen, dass mich meine Kalorienzählerei meinem ursprünglichen Ziel (nämlich ein gesundes Körpergewicht erreichen) nicht mehr groß näher bringen wird.

Und so habe ich in den letzten Monaten immer mal wieder alles Mögliche ausprobiert. Küchenwaage verbannt, Kcal-App auf dem Handy deinstalliert. Zugegeben, immer mit der Angst im Nacken, zuzunehmen!! Aber je länger am Stück es ohne Kontrolle „gut“ lief, (im Sinne von „keine Eskalation beim Essen“, weil ich es ja nicht abgewogen habe ;-)) desto besser wurde das Gefühl dabei. Stück für Stück konnte ich mir selbst auch mal wieder bis um die nächste Ecke trauen. Das war allerdings auch immer wieder unterbrochen von Phasen, in denen ich doch wieder jede Tomatenscheibe auf die Waage gelegt habe. Abgenommen habe ich in der Zeit des Ausprobierens übrigens nicht, im Gegenteil ;-) Im Rahmen der HM-Vorbereitung war es dann doch ein Plus von 2 Kilo. Tomatenscheiben abwiegen hin oder her! Wobei ich rückwirkend sagen kann, die 2 Kg waren es wert, weil ich einfach so unglaublich viel über mich und das Thema Ernährung in Zusammenhang mit unserer Psyche gelernt habe, was ihr in keinem Ratgeber dieser Welt findet!!!

Und dann hat es scheinbar doch irgendwie Klick gemacht vor einigen Wochen. Es läuft so gut, wie quasi noch nie. Ich wiege nichts ab, ich zähle keine Kalorien (letzter Eintrag in der App war am 03.06.19!) und nehme trotzdem pro Woche kontinuierlich ab. Nein, keine 3 Kilo in 5 Tagen, das war auch nicht das Ziel! Aber Fakt ist, ich habe zum ersten Mal in meinem Leben ein unglaublich entspanntes und dabei gesundes Essverhalten. Vermutlich ausgeglichener als je zuvor in den letzten 20 Jahren. Keine Ahnung ob das so bleibt. Eventuell gibt es da wieder neue Stolpersteine, die ich aus dem Weg räumen muss. Vielleicht hab ich in 5 Tagen wieder nen Pfeil im Kopf, der mir sagt „zähl deine Kalorien“. Vielleicht aber auch nicht und ich habe nun irgendwie den Dreh für eine ausgewogene Ernährung gefunden, mit der ich noch ein paar Kilo abnehmen kann? Wer weiß! Ein paar Wochen sagen noch nicht viel aus, aber mir geht es unglaublich gut damit!

Denn hätte mir jemand vor einem halben Jahr erzählt, dass ich irgendwann mal dahin komme, im Grunde zu essen, was ich möchte (aber eben nur DANN wenn ich wirklich Hunger habe und eben einfach aufhöre, BEVOR ich VOLL bin!!) und dabei auch noch Gewicht reduziere? Völlig ohne Kcal zählen, irgendeinen Plan, der mir haarklein vorgibt, was ich zu essen habe? Und das ganz ohne irgendwelche Eskalationen in die andere Richtung?? Ich hätte es definitiv nicht geglaubt!

In ein paar Tagen geht’s mit meiner Familie in den Urlaub und das war bisher immer schon Wochen vorher mein allergrößter Horror!!! Es ist ja doch was anderes, wenn man nicht im gewohnten Umfeld dem gewohnten Tagesablauf nachgehen kann, es  ja auch einfach andere Lebensmittel gibt, usw. Aber zum ersten Mal seit Jahren habe ich WIRKLICH keine Angst davor, was danach auf der Waage steht, weil ich einfach ganz stark davon ausgehe, dass es keine böse Überraschung geben wird.

Ich kann nur jedem raten, der ein Problem mit irgendeinem Thema hat: Holt euch Hilfe!!! In welcher Form auch immer. Traut euch! Für den einen ist sicher eine Therapie sinnvoll. Für mich war in den letzten Monaten die viele Lauferei verbunden mit dem regelmäßigen Einzeltraining, in dem es halt automatisch ausnahmslos um mich und meine Baustellen ging, das Richtige. Nicht, weil ich so gerne auf meinen eigenen Problem rumkaue oder wir da Woche für Woche meine Ernährung auseinander pulen, nein gar nicht!! Hier gibt es übrigens diesbezüglich immer noch ab und an seltsame Fragen dazu, wie so ein Einzeltraining abläuft ;-) Leute! Löst euch von euren Vorstellungen! Ich muss da nicht Bericht ablegen, was ich gestern um 14:30 Uhr zu mir genommen habe ;-) Ich trainiere da einfach nur ungefähr 832 Mal intensiver als alleine und entscheide ansonsten selbst, wieviel von den anderen Baustellen „bearbeitet“ und besprochen wird! Aber, und das ist für mich einfach extrem hilfreich: Ich bin einfach gezwungen, mich Woche für Woche mit dem ganzen Kram zu befassen. Mit ekligen Themen. Schlechten alten Angewohnheiten. Mit mir selber. Mich zu  hinterfragen. Ich rechtfertige meinen Weg und mein Gewicht (auf eigenen Wunsch!) und meist kommt man schon selbst auf einen möglichen Knackpunkt, wenn man es einfach mal thematisiert!!  Es ging und geht für mich weiterhin darum, einen Weg zu finden, mit dem ich einfach langfristig richtig gut klar komme, idealerweise zufrieden bin und TROTZDEM (oder gerade deshalb?????) noch etwas verändern (in dem Falle abnehmen) kann. Und je „unwichtiger“ oder sagen wir störungsfreier das Thema Ernährung läuft, umso mehr kann ich mich aufs Training  konzentrieren und mich idealerweise verbessern! Dass ich „ganz nebenbei“ gerade einen Gewichtstiefstand der letzten vielen Jahre erreicht habe, ist ein unfassbar geiler Nebeneffekt :-)