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Riekes Weg

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Erfolgsgeschichten

Riekes Weg

Dicke beim Sport

„Boah also wenn ich so aussehen würde, würde ich ja den und den Sport nicht machen.“ „Bei xy im Verein ist eine, die ja schon auffällt unter den anderen. Die kommt voll gut mit und kann alles wie die anderen, aber sind wir mal ehrlich, das sieht doch nicht schön aus.“ „Ganz schön mutig, da mitzumachen.“ „also ich würde das ja nicht machen, die blamieren sich doch!“ „Die Leute lachen schon“, „meine Tochter will mit der keine Partnerübungen machen, weil sie dicker ist, als die anderen und ich kann das verstehen!“ So ein Gespräch habe ich vor ein paar Tagen verfolgt. Und innerlich gekocht. Und mich nicht getraut, Stellung zu beziehen. Ich fand es einerseits ja schon geil, dass über Dicke gelästert wurde, wo ICH daneben saß, ich meine klar, kann man mal machen, aber respektlos fand ich das schon! Der Inhalt dieses Gesprächs hat mich allerdings einfach nur schockiert. Es ging in dem Fall um Kinder, das ändert ja aber nichts an den Tatsachen, bzw. doch – macht es vielleicht noch etwas schlimmer!!! Hinterher habe ich mich sehr geärgert, dass ich nichts dazu gesagt habe. Schweigend zugehört und irgendwann kurz den Raum verlassen. Fühlte mich stellvertretend für viele andere Dicke beleidigt, auch wenn ich nicht persönlich gemeint war. Jeder dicke Mensch, der Sport macht (egal ob Anfänger oder schon länger dabei) ist sich sicher darüber im Klaren, dass das unter Umständen keinen unfassbar schönen Anblick bietet, wenn hier und da etwas schwabbelt oder sonst was. Aber was genau soll jetzt die Lösung sein? Sollen sich alle mit einem BMI über 22 im Keller verkriechen, um Sport zu treiben? Oder es besser ganz sein lassen? Dürfte am Schwabbel oder am Übergewicht vielleicht nicht viel ändern, womit sich das Lästerpotential explosiv erhöhen dürfte. Und wer sagt denn, dass Übergewichtige nicht grundsätzlich Interesse daran haben, sich zu bewegen und sich fit zu halten? Es geht ja nicht primär um Gewichtsabnahme, sondern um das eigene Wohlbefinden. Ich kenne einige Personen, die nicht mega schlank sind, aber dennoch viel Spaß am Sport haben und bedeutend fitter sind als so mancher mit Idealgewicht.

Ja auch ich habe mir lange Gedanken gemacht, ob ich tatsächlich mit anderen zusammen Sport machen kann. Ich habe mich unfassbar schwer getan. Ich erinnere mich nur zu gut an das Gefühl vor meinem allerersten Training bei Fit mit Thorge oder auch an die ersten Laufversuche in der Öffentlichkeit. An den ersten „offiziellen Lauf“. Und auch heute ist es noch immer eine Überwindung, wenn ich mit Leuten zum ersten Mal gemeinsam laufen gehe o.ä. In meiner Vorbereitung auf den 1. Halbmarathon lernte ich eine sehr sehr sportliche Frau kennen, die mit mir in der Folgezeit einige Läufe gemeinsam bestritten hat. Vor der ersten Begegnung hatte ich regelrecht Angst "boah was wird die denken, ich bin ihr garantiert zu langsam, was ist denn, wenn ich verkacke, dann denkt die garantiert das liegt an meiner Figur" und und und. Und was soll ich sagen? Ich lernte einen so wertvollen Menschen kennen, und wäre sie aktuell nicht verletzt, würden wir wohl regelmäßig gemeinsam Sport machen, obwohl uns 30 kg und einiges an sportlichem Vermögen trennen, aber das ist tatsächlich völlig egal...! Ich will hier keinen auf "nur die inneren Werte zählen" machen, ich selbst versuche ja auch, meine Figur und meine Fitness weiter voran zu treiben, unter anderem mit viel Sport. Ich versuche auszublenden, dass ein schwitzendes Nilpferd keinen schönen Anblick bietet und bewege mich trotzdem bevorzugt draußen und das auch vor 22 Uhr abends, bevor es dunkel wird.

Ich habe mir früher niemals zugetraut, einigermaßen sportlich zu werden, weil ich immer überzeugt war, dass das den Schlanken vorbehalten ist. Heute weiß ich, dass das ziemlicher Quatsch ist und erstmal nicht viel aussagt. Klar, mit Normalgewicht dürften einem viele Sachen leichter fallen, keine Frage. Aber Fitness muss man sich so oder so hart erarbeiten. Weder ist das für den Dicken unerreichbar, noch dem Schlanken einfach in die Wiege gelegt. Aber es sollte verdammt noch mal jedem selbst überlassen sein, ob er oder sie Sport gemeinsam mit anderen macht, ohne dabei von Wildfremden bewertet und beurteilt zu werden. Denn genau solche Aussagen, wie aus dem oben beschriebenen Gespräch sind es, die einen noch mehr zweifeln lassen, die dafür sorgen, dass man irgendetwas nicht ausprobieren möchte etc. Also vielleicht einfach mal nachdenken, bevor man über dicke Leute beim Sport herzieht und zur Abwechslung vielleicht mal kurz das Gehirn einschalten…. Und noch viel schlimmer, wenn Kinder betroffen sind. Man solle sich vielleicht mal kurz überlegen, was man mit solchen unüberlegten und hirnverbrannten Aussagen auslösen kann. Für mich selbst war das Thema Sport und Bewegung ungefähr ab meinem 12. Lebensjahr sowas von negativ behaftet, ich habe alles gehasst, was damit zusammenhing, und ich musste erst fucking 34 Jahre alt werden, bis ich vor 3 Jahren auf sportlicher Ebene etwas gefunden habe, was mir Spaß macht - damit meine ich neben der Lauferei speziell das Zirkeltraining bei Fit mit Thorge, wo wir in Gruppen trainieren, in denen es furchtbar egal ist, ob Du 50, 100 oder 150 Kilo wiegst, zehn, hundert oder vielleicht erst zwei Liegestütze kannst.