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Erfolgsgeschichten

Riekes Weg

Alle reden von Selbstliebe

Aha und was ist das überhaupt?

Im Fit mit Thorge Zirkeltraining ging es in der letzten Woche beim „Pausen-Impuls“ im Groben darum, sich davon frei zu machen, was andere von einem halten, das zu tun, was man selbst wirklich will und dann, in einem vermeintlichen Nebensatz eben auch darum, dass man sich selbst lieben muss, um andere lieben zu können. Hä??? Äh ja, das ist immer die Stelle, an der ich die Ohren zuklappe und denke „ja ja laber Rhabarber… Selbstliebe, so ein Scheiss!!!“ Was soll das sein? Vor dem Spiegel tanzen und sich selber geil finden? In den Spiegel gucke ich beim Augenbrauen zupfen oder beim Schminken ;-) Aber einfach so und dann auch noch zufrieden sein? Kenne ich nicht! Bzw. sehr selten.  

Es wird aber vielleicht Zeit, genau das zu lernen. Das eigene Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein hat bekanntlich ganz viel mit der Ausstrahlung eines Menschen zu tun. Und inzwischen erkenne ich erschreckenderweise doch gewisse Parallelen zwischen meinem eigenen Verhalten und dem meiner Kinder, wenn es darum geht, sich etwas Neues zuzutrauen.

Komplimente annehmen? Kann ich nicht! Auch nicht von Menschen, die mir sehr nahe stehen – jedenfalls nicht, ohne hinter dem „Danke“ direkt etwas Negatives zu erwähnen. Der 1. Gedanke ist oft „willst Du mich vera****?“ Wie gemein auch eigentlich für mein Umfeld… Ich wäre da gerne etwas entspannter. Selbstbewusster. Kann man das lernen? „Du bist, was Du denkst!“ Generell diese Geschichte mit dem positiven Denken macht mich ja schon manchmal etwas irre in der Birne. Weil ich es bescheuert finde. Weil ich vielleicht unbewusst denke, erst positiv von mir selbst reden zu können, wenn ich xy erreicht habe. Wahrscheinlich hängt das nicht zuletzt mit meinem lebenslangen Übergewicht zusammen und auch damit, dass man mir schon sehr sehr früh beigebracht hat, genau das ändern zu müssen, um akzeptiert und toleriert zu werden. Das gewisse Dinge eben immer an Bedingungen geknüpft sind, die zwar aus heutiger Sicht betrachtet ganz schön oberflächlich sind, sich aber dennoch stark eingebrannt haben.

Hm bedeutet Selbstliebe jetzt also, immer alles so zu lassen, wie es ist, auch wenn es 50, 60 kg Übergewicht sind? Ist es eventuell die Ausrede, nichts für sich und seinen Körper tun zu wollen oder zu müssen? Sicherlich nicht. Bzw. sollte es nicht sein! Selbstfürsorge sollte eine große Rolle spielen. In sich selbst und die eigene Gesundheit und Zufriedenheit investieren. Nur ist Gesundheit irgendwie ein ziemlich unattraktiver Antrieb, sich selbst zu verändern. Klar, wer möchte nicht gesund sein. Aber ist das nicht die banale Standardantwort? Klar sollte Gesundheit wichtig sein und inzwischen sehe ich, wie wenig ich da so viele Jahre drauf geachtet habe. Aber ist das der eigentliche Antrieb?

Für mich ist die Definition von Selbstliebe am ehesten: Mit sich selbst im Reinen zu sein. An den meisten Tagen sagen zu können „es ist ok, wie es ist“. Und zwar ohne das an einer bestimmten Zahl auf der Waage oder einer bestimmten Pace auf der Lauf-Uhr festzumachen. Und genau damit tue ich mich aktuell noch sehr schwer. Messbare Dinge bieten eine gewisse „Sicherheit“ … oder eben auch ganz viel Unsicherheit!  

Meine Kritikfähigkeit spielt bei diesem Prozess allerdings auch eine große Rolle. Grundsätzlich behaupte ich von mir, schon ziemlich kritikfähig zu sein. Ich kann mir die Meinungen anderer anhören, ohne gleich auszuflippen oder dagegen reden zu müssen oder anzufangen zu heulen. Aber… wird auch nur irgendein kleiner Punkt kritisiert, schwankt gleich mein komplettes Selbstbild. Beruflich. Privat. In der Beziehung. Beim Sport. Ich stelle viel zu schnell alles in Frage, was ich tue. Denke sofort „das ist ALLES nicht gut genug“. Warum? Weil mein Selbstwertgefühl derzeit oft noch nicht ausreicht, mich und meinen Standpunkt, meine eigene Person selbstbewusst zu vertreten. Ich sage bewusst „derzeit“ und „oft noch nicht“. Es hat sich diesbezüglich tatsächlich schon viel verbessert. Zum Beispiel mache ich Sport, obwohl andere zugucken und ich dabei sicherlich keinen traumhaft schönen Anblick biete ;-) Ich laufe in der Öffentlichkeit und nicht im heimischen Keller auf dem Laufband. Ja das ist mit Kritik verbunden. „Äh du weisst schon, dass Dicke nicht laufen sollten?!“. Ja danke für die Information. Inzwischen habe ich gelernt, das zu ignorieren und es trifft mich nicht mehr so, wie noch vor 1, 2 Jahren. Trotzdem würde ich genau den Leuten echt gerne mal meine Meinung pfeifen und ihnen sagen, dass sie sich ihre Nordic Walking Stöcke in ihren eigenen zu dicken Hintern schieben können ;-)  In der Theorie klappt das schon ganz gut… Aber in der Praxis?! Kommt vielleicht noch! Auch das ist wahrscheinlich Selbstliebe. Wirklich aus tiefem Herzen sagen zu können, dass es egal ist, was andere sagen oder denken. Ich bin noch weit davon entfernt, mich selbst zu mögen oder gar gut zu finden. Auf meine Leistungen stolz zu sein oder ähnliches. Der Gedanke „das steht mir nicht zu, weil ich ja für die Ausgangssituation selbst verantwortlich bin“ ist dafür zu präsent.

Unabhängig davon wäre es natürlich schöner, wenn das eigene Selbstbewusstsein und somit auch Verhalten da gar keine Angriffsfläche bieten würde. Wenn es einfach nicht zur Diskussion stünde. Es gibt ja so Leute, da käme nie einer auf die Idee, die einfach so von der Seite anzuquatschen und in irgendwas reinzureden. Joa und dann gibt es eben die, auf die man schnell mal verbal losgeht. Aber wer nimmt sich das Recht heraus, andere von außen zu be- und verurteilen? Mit welchem Recht kommentieren so viele Leute das Leben anderer? Ungefragt versteht sich? Was steckt eigentlich dahinter, andere Leute schlecht zu reden? Das hat ja in der Regel mit konstruktiver Kritik ziemlich wenig zu tun. Hierbei geht es glaube ich in erster Linie um etwas anderes. Ist es eventuell das eigene schlechte Gewissen, weil man vielleicht seit 5 Jahren von einem bestimmten Ziel träumt, es aber, aus welchen Gründen auch immer, nicht erreicht? Ist es die eigene Unzufriedenheit, weshalb man andere schlecht redet? Frei nach dem Motto, wenn ich mich selbst schon schlecht fühle, sorge ich dafür, dass es anderen genauso geht? Keine Ahnung, auf jeden Fall ist das echt unnötig. Da aber diese Sorte Mensch vermutlich nicht so schnell ausstirbt, arbeite ich weiter an einer gewissen Gleichgültigkeit. Es ist ja auch nicht so, als würde ich 1 x die Woche doof von der Seite angequatscht werden, ganz im Gegenteil! Viel häufiger erfahre ich wirklich sehr nette und positive Rückmeldungen – und die für mich selbst positiv zu nutzen, daran will ich deutlich mehr arbeiten!